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Als die Welt zum Stillstand kam von Neumayer, Gabi, Jugendbücher, Dystopie, Spannung

Als die Welt zum Stillstand kam

Neumayer, Gabi

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Beltz und Gelberg

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783407811202

Inhalt

Die Welt im Jahr 2036: Absolute Mobilität ist Realität geworden. Frühstücken auf den Fidschis, arbeiten in Berlin, abends ein Konzert in Tel Aviv, kein Problem. Mithilfe eines weltweiten Tornetzes beamen Menschen sich in Sekunden von einem Ort zum anderen, ebenso Informationen und Ressourcen. Da geschieht plötzlich das Unfassbare: Das Netz bricht zusammen – und damit die gesamte Welt.

Die Freunde Celie, Alex und Bernie könnten ein rasantes Leben genießen und sich sehen, wann und wo immer sie wollten. Doch der tragische Tod von Celies Mutter, Erfinderin des Tornetzes, hat einen Schatten auf ihre Freundschaft geworfen. In ihrer Trauer will Celie alles hinter sich lassen. Bis plötzlich die Katastrophe eintritt – das Netz versagt. Wie alle anderen auch sitzen die drei Freunde fest: Alex in Berlin, Celie in Irland, Bernie in der mecklenburgischen Wildnis. Jeden Tag fällt die Welt um sie herum ein Stück mehr auseinander: Städte ohne Strom und Wasser werden zu Todesfallen, Krankheit, Hunger und Gewalt breiten sich aus. Die zivilisierte Welt kollabiert. Celie, Alex und Bernie müssen jeder für sich ums Überleben kämpfen. Und sie müssen einander finden. Denn vielleicht hat der Tod von Celies Mutter etwas mit dem Zusammenbruch des Netzes zu tun ...

Bewertung

Im Jahr 2036 gerät die Welt aus den Fugen, als die Tore, mit denen die Menschheit sich nun seit einigen Jahren überall hinbeamen kann, ausfallen. Celies Eltern haben die Tore erfunden, sind inzwischen aber beide Tod und Celie ist ganz auf sich allein gestellt, als es darum geht, wieder den Normalzustand zu erreichen...
Der Einstieg von Gabi Neumayers Werk „Als die Welt zum Stillstand kam“ gestaltet sich als sehr, sehr schwer. An sich ist gegen den Aufbau der Handlung und die Einführung in ein wirklich gutes Thema nichts zu sagen, leider wirken die ganzen Ereignisse und die Charaktere künstlich aufgesetzt. Beispielsweise verwendet die Autorin zum Spannungsaufbau eine Multiperspektivität, die in rasch aufeinanderfolgenden Abfolgen wechselt und so mächtig Tempo erzeugt. Innerhalb dieser vielen, wechselnden Perspektiven bedient sich Gabi Neumayer unterschiedlichen Sprachformen und unterschiedlichen Zeiten. So lesen die LeserInnen stellvertretend für die Protagonistin Celie in den Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter, denn das Tagebuch mit diesen Aufzeichnungen findet Celie erst später.
Generell ist die Handlung in der Zukunft angesiedelt, was mit neuen Wortschöpfungen wie „tera“ und „loco“ unterstrichen wird. Tore, genannt T.O.R. ermöglichen den Menschen das (fast) uneingeschränkte Beamen zwischen allen.
Ähnlich einem Blackoutszenario in unserer Zeit, beschreibt Gabi Neumayer die Konsequenzen für die Menschheit, wenn die Tore plötzlich ausfallen und der Menschheit das wichtigste Fortbewegungs- und Transportmittel fehlt. Dabei sind viele Aspekte angesprochen worden, auf die ich alleine niemals gekommen wäre und die irgendwann auch den Spaß beim Lesen brachten. Auch das Netz der Verstrickungen wird immer komplexer und die Charaktere beginnen nach gut 200 Seiten auch mal etwas Authentizität aufzubauen, so dass ich zwischendurch auch einmal Spannung empfinden konnte. Durch das Beamen sind alle Reise- und in diesem Zusammenhang- auch Zeitbeschränkungen aufgehoben, was dazu führt, dass man sich als LeserIn auf Seite 100 bspw. noch in Irland aufhält und auf der nächsten Seite schon in Deutschland ist und dann plötzlich noch ganz woanders.
Als gelungen wiederum habe ich den „bösen“ Gegenspieler empfunden. Dieser kommt ziemlich unvermittelt aus einer anonymen Perspektive zu Wort; dies aber so offensichtlich, dass auch dieser eigentliche Spannungsaufbau recht schnell wieder zusammenbricht. Auch im Finale, das grundsätzlich fetzte, verliert besagter Gegenspieler an Macht und Glaubwürdigkeit, indem Gabi Neumayer seine Verfolgungsjagd innerhalb weniger Sätze niedermäht und das leider nicht ordentlich verknüpft auslaufen lässt.
Die Handlungsidee ist einsame Spitze und die Umsetzung ist in ihrer Präzision auch nicht zu übertreffen. Bedauerlicherweise fehlt es diesem Werk grundlegend an Gefühlsintensität. Ich hatte große Probleme, mich in die Charaktere hineinzufühlen und ihre Gedankengänge somit für ernst oder gar wichtig zu nehmen. „Als die Welt zum Stillstand kam“ ist ein ebenso schöner wie maßgeschneidert sitzender Buchtitel, der diesem überwiegend kalkulierten, klinischen und aufgesetzt wirkenden Werk im Rückblick für mich immerhin eine tiefere Bedeutung gibt. Gabi Neumayer ist aber dennoch Literatur gelungen,die man sich einmal anschauen sollte, auf die Gefahr hin, dass man doch nicht vom Hocker gehauen wird. Daher vergebe ich knappe 4 Sterne und tendiere bei einer Leseempfehlung zu jüngerem Publikum.
Charlene Sander (19) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Spannung