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Bruder Wolf von de Almeida, Carla Maia, Jugendbücher, Aus dem Leben, Alltag & Familie, Erwachsenwerden

Bruder Wolf

de Almeida, Carla Maia / Gonçalves, António Jorge

Übersetzung: Stein, Claudia

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Fischer Sauerländer

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783737353601

Inhalt

Wenn man fünfzehn ist, sind sieben Jahre fast das halbe Leben. So lange ist es her, dass Bolotas Kindheit jäh endete. Dass in jenem Sommer alles außer Kontrolle geriet, weiß Bolota mit Sicherheit, warum und wie genau das passierte, jedoch nicht. Ihre Erinnerungen sind Bruchstücke. Da war die Autofahrt mit ihrem Vater zum Haus der Großeltern. Die Rückfahrt durch den Wald. Das Feuer, das immer näher kam. Der Vater, der Hilferufe hörte und in die Flammen lief. Und da war plötzlich ihr Hund, der aus dem Nichts neben dem Wagen auftauchte und ihr beistand – ihr Bruder Wolf.

Bewertung

Als Bolota 8 Jahre alt ist beginnt eine für sie prägende Zeit. Aufgrund von wirtschaftlichen Problemen und zunehmender Armut muss ihre fünfköpfige Familie samt Husky in immer kleinere Unterkünfte ziehen, ständig auf der Flucht vor den Jägern des gelben Metalls. Bolota hat als einzige noch Vertrauen in ihren Vater und Häuptling der Familie, weshalb sie sich mit ihm auf eine Expedition begibt, mit dem Ziel die zerrüttete Familie wieder zu vereinen. Das dieser Ausflug maßgeblich ihr weiteres Leben beeinflussen wird, ahnt das kleine Mädchen beim Aufbruch jedoch noch nicht.

 

Der Einstieg in diesen Roman war etwas schwierig, da Bolota (dt. Krümel) ihren Familienmitgliedern aber auch Gegenständen Fantasienamen gibt. Außerdem braucht es eine Weile bis man den zeitlichen Ablauf des Buches versteht, da die verschiedenen farbigen Buchseiten unterschiedliche Handlungsstränge thematisieren: auf den blauen Seiten schildert sie die Geschehnisse aus ihrer heutigen Sicht als Jugendliche, auf den weißen Seiten beschreibt sie die Handlung jedoch aus ihrer damals 8-jährigen Sicht.

Grafische Einblicke in Bolotas Welt geben beim Lesen die großartigen Illustrationen von António Jorge Gonçalves, welche in Schwarz, Weiß und Blau die tiefgründige Atmosphäre des Buches unterstützen.

 

Der Roman thematisiert das Zusammenleben von Bolota und ihrer Familie und schildert wie die Familie immer weiter in den Sog der Armut und Verbitterung gerät. Aus der naiven und unschuldigen aber dennoch poetischen Sicht einer 8-Jährigen erfährt man wie jedes einzelne Familienmitglied mit der wachsenden Verarmung umgehen und wie die einst so innige Beziehung ihrer Eltern zugrunde geht und schließlich wie Bolota und ihr Vater sich auf eine abenteuerliche Reise begeben, um die Familie doch noch zu retten. Und obwohl Bolota aufgrund ihres Alters oftmals nur als Zuschauer der Probleme zu Hause erscheint, ist dem Leser klar, dass sie sich eigentlich im Zentrum des Sturms befindet, dennoch ist sie zu klein um angemessene Worte zu finden und das wirkliche Verstehen setzt erst Jahre später ein. Die Autorin schafft es mit ihrem unaufdringlichen aber poetischen Schreibstil die Folgen der Armut authentisch zu schildern.

 

Aufgrund des etwas schwierigerem und philosophischen Schreibstils, braucht man etwas um die volle Tiefe des Buches zu begreifen, daher empfehle ich den Roman erst ab 13 Jahren und vergebe 4 von 5 Sternen für diese poetische Geschichte über Familie. Die außergewöhnliche Erzählweise trifft sicher nicht bei jedem Leser auf Anklang, aber, wenn man sich auf sie einlässt, wird man mit einer tiefgründigen und berührenden Geschichte entlohnt.

 

Ellen Bartsch (15) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Erwachsenwerden