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Das kleine Kunstbuch von Le Pichon, Aude, Kinderbücher, Sachbücher, Kreativität, Wissen

Das kleine Kunstbuch

Le Pichon, Aude

Übersetzung: Panzacchi, Cornelia

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Fischer Sauerländer

Empfohlen ab: 6 Jahre

ISBN: 9783737353885

Inhalt

Kindern die Welt der Kunst eröffnen, ganz einfach und unkompliziert – Das ermöglichen herrlich großformatige Abbildungen, von 54 berühmten Kunstwerken, die hier ganz aus der Nähe betrachtet werden können.

Auf Augenhöhe geleitet das Buch Kinder und Jugendliche chronologisch durch die europäische Kunstgeschichte und zeigt die Mona Lisa ebenso wie Albrecht Dürers Hasen, Gemälde von Picasso, Kandinsky, Rembrandt und Manet, griechische Skulpturen und ein römisches Mosaik. Kurze Texte erklären Grundlegendes zu Künstler, Entstehungszeit, Technik, oder einem speziellen Detail aus dem Dargestellten.

Zu jedem Motiv gesellt sich spielerisch eine Frage, die zur Beschäftigung mit dem Kunstwerk anregt, wie zum Beispiel: Woran erkennt man, dass auf Van Goghs Sternennacht noch nicht alle Dorfbewohner schlafen?

Das handliche, fast quadratische Buchformat macht es zum perfekten Begleiter für einen Gang durchs Museum.

Bewertung

Mit einer Auswahl von 60 Kunstwerken verschiedener Epochen gibt das kleine quadratische Buch auf 140 Seiten einen informativen Überblick zur Kunstgeschichte.

Das interessant gestaltete Buchcover zeigt wie in einem Diafilmstreifen im oberen Drittel des Buches auf dunkelblauem Hintergrund einige bekannte künstlerische Werke, die bereits vielfach das kollektive Gedächtnis geprägt haben wie Lichtensteins Mädchen im Spiegel, van Goghs Sternennacht, Pieter Bruegels Jäger im Schnee und Leonardo da Vincis Mona Lisa. Der mittige weiße Schriftzug des Titels dominiert das Cover und gibt gleichzeitig eine Vorstellung von den Möglichkeiten künstlerischer Schriftgestaltung. Das untere Drittel des Covers sowie auch die Ränder der Buchseiten im Inneren werden von Farbexplosionen, die an Werke von Jackson Pollock erinnern, beherrscht, der zur Gestaltungsinspiration dienende Künstler selbst wird dann jedoch überraschenderweise nicht im Buch vorgestellt.

Jedem der 60 Kunstwerke wird eine farbige Doppelseite gewidmet; auf der rechten Seite befindet sich die Abbildung des Werkes, auf der linken Seite befindet sich der mit nur wenigen Sätzen recht knapp gehaltene Textteil in Form von für die Zielgruppe leicht verständlichen Erklärungen zu Künstler und Werk, der zeitlichen Einordnung und nennenswerten Besonderheiten sowie einer an die jungen Leser gerichteten Frage, die dazu animiert, sich nochmals eingehender mit dem Bild zu beschäftigen.

Beispielgebend für die Kunst vorgeschichtlicher Zeit dient zu Beginn das Fries der schwimmenden Hirsche, welches als eines der ersten Kunstwerke der Welt gilt. Es folgen eine ägyptische Vogeljagdszene sowie der Diskuswerfer von Myron aus vorchristlicher Zeit und mit dem bekannten Cave-Canem-Hundemosaik aus dem alten Rom wird bereits die Neuzeit gekennzeichnet. Mit dem gestickten Teppich von Bayeux, welcher die Geschichte der zur Eroberung Englands ausgezogenen normannischen Ritter erzählt, wird eine der ältesten künstlerischen Bildgeschichten der Welt vorgestellt. Verhältnismäßig viel Raum wird im Buch der mittelalterlichen Kunst gegeben, wobei vor allem mit phantasievollen Werken wie dem Garten der Lüste von Hieronymos Bosch oder Arcimboldos faszinierendem Bild eines Mannes, dessen Gesicht ausschließlich aus verschiedenen Früchten zusammengefügt wurde, das kindliche Interesse besonders angeregt werden kann. Etwa in der Buchmitte spült Hokusais beeindruckende große Welle von Kanagawa den Betrachter in das Geschehen der uns vertrauteren neuzeitlichen Bildsprache, als deren Stellvertreter Werke von William Turner, Gustave Courbet, Manet, Monet, Cezanne, Degas, Renoir, Seurat, Gauguin, Rousseau, Delauney, Picasso, Dali, Kandinsky, Matisse, Miro und Magritte begegnen.

Mit Andy Warhols Superman aus dem Jahr 1986, mit dem der Künstler Elemente der Alltagskultur in die Kunst transferierte und damit die Pop-Art begründete, endet leider die Vorstellung modernerer Werke. Warum gerade die künstlerisch spannenden letzten 30 Jahre in einem Kunstbuch komplett ausgespart und damit dem jungen Leser vorenthalten werden, ist für mich nicht nachvollziehbar und finde ich recht schade.

Zumindest einige Hinweise auf interessante künstlerische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte wie Konzept-, Installations- und Videokunst hätten doch zweifellos das kindliche Interesse geweckt und einen spannenden Kontrast zu den alten Meisterwerken gesetzt. Von der Auslassung neuerer Werke abgesehen und auf die behandelten Zeiträume bezogen ist es jedoch ein solide gemachtes Buch, welches die Zielgruppe an viele großartige Kunstwerke behutsam heranzuführen vermag, mit gezielten Fragen ihr Interesse zu wecken versteht und nicht mit allzu viel Zusatzinformation überfrachtet.

 

Hanna Nebe-Rector (malkastl.de) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Kreativität, Wissen