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Die Attentäter von Michaelis, Antonia, Junge Literatur, Aus dem Leben, Zeitgeschehen

Die Attentäter

Michaelis, Antonia

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Oetinger

Empfohlen ab: 16 Jahre

ISBN: 9783789104565

Inhalt

Obwohl sie aus grundverschiedenen Verhältnissen stammen, sind Cliff und Alain fasziniert voneinander. Zwischen ihnen steht Margarete, die beide von klein auf kennen. Dann konvertiert Cliff zum Islam und verschwindet. Als er zurückkehrt, wird klar: Er soll für den IS einen „Tag des Blutes“ planen. Alain will seinen Freund retten – doch wie lange kann er noch zu ihm halten?

Bewertung

Alain und Cliff sind wie Gut und Böse - der eine sieht das Beste im Menschen, während der andere in einer Welt der Finsternis lebt. Und doch oder gerade deswegen ziehen sich die beiden jungen Männer, die von klein auf im selben Haus im Prenzlauer Berg in Berlin wohnen, an. Dazwischen lebt Margarete, der Ruhepol zwischen den beiden, aber auch ein wenig außen vor gelassen.

Alain wächst in einem künstlerischen Umfeld mit liebenden Eltern auf, während Cliff von seinem Vater, mit dem er eine Hassbeziehung führt, großgezogen wird - die Mutter möchte mit dem Jungen nichts zu tun haben. Kein Wunder also, dass Cliff sich in seiner Jugend in alle möglichen Richtungen radikalisiert, während Alain versucht, ihn immer wieder aus diesem radikalen Sumpf herauszuziehen. Verlockend sind die Rechtsradikalen, dann der Islamische Staat bzw. Daisch. Cliff scheint in einem düsteren Seelenleben gefangen zu sein während Alain, und auch Margarete, alles daran setzen, ihn von den Fesseln des Verlockenden und Indoktrinierendem zu befreien. Doch kann man einen Menschen überzeugen, der von klein auf dem Bösen wohlgesinnter war als dem Guten? Die drei jungen Menschen wissen, dass sie sich über alles lieben - doch welche Kraft wird am Ende siegen?

 

Wir scheinen in einer Zeit zu leben, in der die Epoche der Beständigkeit, des negativen Friedens und der Unbesorgtheit, sich auf öffentlichen Plätzen frei zu bewegen, eingeschränkt ist. Die unbändige Kampfeswut des Islamischen Staates bzw. Daisch, aber auch der Radikalismus nationalistischer europäischer Gruppen, scheint für viele Jugendliche und junge Erwachsene eine hohe Attraktivität darzustellen und gleichzeitig einen Großteil der europäischen Bevölkerung zu beunruhigen.

Die Autorin Antonia Michaelis spricht über den Radikalismus ebendieser Gruppierungen, schreibt jedoch vor allem die Geschichte dreier Heranwachsender und die Erfahrungen, die diese erleben und erleiden, um zu dem zu werden, was sie heute sind, nieder. Sie spricht darüber, ob man dem Sumpf des Bösen entkommen kann und ob andere Menschen sie daraus befreien können. Die Autorin erzählt mal aus der Sicht Alains, mal aus der Sicht Cliffs oder Margaretes, wobei es am Anfang schwerfallen kann, die Erzähler den richtigen Personen zuzuordnen.

Das Buch ist, nicht in erster Linie wegen des Themas, sondern auch wegen der Erzählweise und der psychischen Tiefe, in der die Protagonisten beschrieben werden, nur für ältere Jugendliche zu empfehlen. Alles in allem ist „Die Attentäter“ ein sensibilisierender Roman, der Dank der fehlenden einseitigen Heranführung an die Problematik viele Leser mitreißen und -fühlen lassen wird.

 

Miriam Thiel (19) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Zeitgeschehen