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Die Insel von Greder, Armin, Bilderbücher, Zum Vorlesen, Außergewöhnliches

Die Insel

Greder, Armin / Prantl, Heribert (Nachwort)

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Fischer Sauerländer

Empfohlen ab: 8 Jahre

ISBN: 9783737353786

Inhalt

Ein Fremder wird an den Strand einer Insel gespült. Abgemagert, vertrieben, heimatlos. Die Inselbewohner fürchten sich vor ihm, er ist anders als sie. Nur der Fischer kann die anderen davon abhalten, den Fremden hinaus aufs Meer zurückzuschicken. Doch die Bewohner behandeln ihn menschenunwürdig, geben ihm keine Arbeit und er muss sich von Abfall ernähren. Die Angst vor dem Fremden wächst in ihren Köpfen, der Neuankömmling wird zu einer Bedrohung. Er muss wieder weg. Schließlich setzt ihn die aufgebrachte Menge wieder auf sein seeuntaugliches Floß und schiebt ihn zurück ins Meer!

 

Eine bitterböse Parabel von der Unfähigkeit des Menschen, Fremdes zuzulassen und Menschlichkeit zu praktizieren. Zusammen mit den eindringlichen Illustrationen von Armin Greder , die an die expressive Stärke eines Edvard Munch und die satirische Schärfe eines Manfred Deix erinnern, wird dieses Buch zu einer Mahnung. Mit Flüchtlingen, die Schutz suchen anders umzugehen. Denn es sind Menschen, die Angst haben, Menschen, wie wir.

Bewertung

Dieses Buch lässt einen nicht mit einem Wohlgefühl zurück. Ganz im Gegenteil, klappt man das Buch zu und sieht sie im Kopf doch immer weiter: die Bilder, die Dynamiken. Da wird ein Mann an Land gespült. Ein Mann, der anders ist. Auf der Insel jedoch, an der er strandet, leben die Menschen in einer eingeschworenen Gemeinschaft und nur die Bemerkung des Fischers lässt die Inselbewohner den Fremden aufnehmen.

 

Greder wählt hier bewusst Gegensätze, die dem Betrachter auf den ersten Blick mit zwei drei Handgriffen überwindbar scheinen. Auf den eindrucksvollen, schlichten und doch über alle Maßen kraftvollen Illustrationen steht ein Mann. Alles, was ihn von denen, die ihm gegenüberstehen, unterscheidet, ist seine Nacktheit und der fehlende Wohlstandsbauch. Wäre es da nicht mit einem Paar geschenkten Hosen und ein bisschen Essen getan?

Doch so einfach ist die Welt nicht und auch nicht so gut. Die Dorfbewohner sperren den Fremden ein und gerade weil sie ihn wegsperren, weil sie nicht das Gespräch, das Kennenlernen suchen, wächst die Angst in ihnen. Die Angst vor dem Anderen. Dem Fremden. Wie sehr würden wir uns wünschen, dass das Buch anders endet. Doch die Situation eskaliert und der Fremde darf nicht auf der Insel bleiben. Er wird erneut ins Meer geschickt, während die Insulaner eine riesige Festung aus ihrer Insel machen, damit nie wieder ein solches Floß bei ihnen stranden kann.

 

Die Thematik „Flüchtlinge“ wird Kindern oft in einer sehr positiven Art und Weise mit multikulti Geschichten nahegebracht und daran gibt es auch überhaupt nichts zu meckern. Die Frage ist aber schon, ob nicht auch Kinder wissen sollten, wie die aktuelle Politik der EU gegenüber Flüchtlingen aussieht – wie wir uns selbst zu einer Festung machen. Und ob sie nicht auch verstehen sollten, woher der Hass mancher Menschen auf diejenigen herkommt, die voller Sorgen und Ängste, aber auch voller Hoffnung in unser Land kommen. Wie Heribert Prantl, der ein Nachwort zum Buch verfasst hat, das den aktuellen politischen Hintergrund stärker thematisiert, bemerkt, wird im Text nicht einmal von einem „Flüchtling“ gesprochen. Einer der vielen Glanzpunkte dieses Werkes, denn in der Tat es ist einfach ein Mensch, der da auf andere Menschen trifft.

 

Sauerländer empfiehlt „Die Insel“ trotz Bilderbuch-Charakter erst ab acht Jahren und liegt damit sicherlich richtig. Wer mit seinem Kind darüber sprechen möchte, wie wir mit den vielen Menschen umgehen, die zu uns kommen und Hilfe suchen, hat hier eine Handreichung gefunden, die ihresgleichen sucht. Armin Greder vertritt mit „Die Insel“ eine klare Botschaft – eine Botschaft, die nicht ungehört verhallen sollte.

 

Saskia Geisler :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Außergewöhnliches