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Jetzt bestimme ich! von Zeh, Juli, Bilderbücher, Zum Vorlesen, Alltag & Familie, Humor

Jetzt bestimme ich!

Zeh, Juli / Schnabel, Dunja

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Carlsen

Empfohlen ab: 4 Jahre

ISBN: 9783551518163

Inhalt

„An ihrem siebten Geburtstag hat Anki beschlossen, dass sie jetzt groß ist. Groß sein bedeutet, dass man selbst bestimmen kann. Wer sagt eigentlich, dass Mama und Papa immer alles entscheiden dürfen?“

 

Eine humorvolle Familiengeschichte über eine Frage, die alle Kinder irgendwann stellen: Wieso dürfen Eltern eigentlich immer bestimmen? Und was geschieht, wenn dem nicht so ist? Meisterlich pointiert erzählt spielt Juli Zeh verschiedene Familien-Szenarien durch und erklärt somit ganz nebenbei, wie Demokratie funktionieren kann oder auch nicht …

Bewertung

Die Thematik ist tatsächlich sehr nah an der Lebenswirklichkeit. Auch bei uns kam schon mal die Frage auf, wer eigentlich der Bestimmer ist und warum eigentlich. Schließlich ist „groß-sein“ eine sehr vage Einteilung. In diesem Buch wird diese Frage in all seinen Möglichkeiten durchgespielt. Die Eltern gehen dabei auf die Forderungen der Kinder sehr geduldig und offen ein. Jeder will Bestimmer sein und seine eigenen Wünsche durchsetzen. Dass diese manchmal nicht sehr weit gedacht und doch eher schlicht sind, zeigt das Nesthäkchen Spätzchen, das sich grundsätzlich immer und durchgängig Pommes wünscht.

So durchläuft die Familie verschiedene Regierungs- und Führungsformen, scheitert an einer Basisdemokratie, am Losverfahren, Wettrennen und führt schließlich das Parteiensystem ein. Die Handlung ist also sehr komplex und etwas verschlungen, denn mal geht es um das Abendbrot, um den Haushalt an sich und dann mal wieder um den Sonntagsausflug.

Gefühlt verzettelt sich Juli Zeh hier etwas in dem vielschichtigen Aufbau und verliert dabei die Zielgruppe ein wenig aus den Augen. Man merkt, dass die Grundidee hinter dem Buch weniger das harmonische Zusammenleben in einer Familie ist, als die Grundzüge unserer demokratischen Gesellschaft zu erklären. Ein ambitioniertes Ziel, das meiner Meinung nach nur bedingt funktioniert, weil eine Kleinfamilie nunmal kein Staat ist. Die Analogien hinken und machen dieses Buch eher zu einer interessanten Diskussionsgrundlage für den Unterricht, als wirklich zu einer schönen Gute-Nacht-Geschichte.

Die Sprache ist ebenfalls nicht unbedingt für ein Bilderbuch gewählt. Zwar wird durchgängig ein schlichter Satzbau und eine aus dem kindlichen Sprachgebrauch entnommene Wortwahl verwendet, doch durch die Erklärungen von Demokratie, Parteien etc. bekommt auch die Sprache eine Schwierigkeit, die ich erst größeren Kindern im Vorschul- und Leseanfängeralter empfehle. Der Zeichenstil ist nett, wenn auch ein wenig beliebig. So stelle ich mir heutige Schulbuchzeichnungen vor.

Für ein Bilderbuch wünsche ich mir ein wenig mehr liebevolle und vielleicht auch verrückte Details.

 

Mareike Dietzel mit Merle (3) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Humor