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Lauf, Junge, lauf von Orlev, Uri, Jugendbücher, Historie, Deutsche Geschichte

Lauf, Junge, lauf

Buch zum Film

Orlev, Uri

Übersetzung: Pressler, Mirjam

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Beltz und Gelberg

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783407744593

Inhalt

Jurek ist ungefähr neun, als ihm die Flucht aus dem Warschauer Getto gelingt und er sich allein durch die Wälder schlagen muss, bis zum Ende des Krieges. Er lernt, wie man auf Bäumen schläft und mit der Schleuder Eichhörnchen erlegt. Doch die Einsamkeit treibt ihn immer wieder in die Dörfer. Dort trifft Jurek Menschen, die ihm helfen, und solche, die ihn verraten werden.

Bewertung

„Und das Wichtigste, Srulik, vergiss deinen Namen. Wische ihm aus deinem Gedächtnis. […] Aber auch wenn du alles vergisst, sogar mich und Mama, darfst du nie vergessen, dass du ein Jude bist.“

Diese sind einige der letzten Worte, die Sruliks Vater an seinen Sohn richtet. Beide sind auf der Flucht, von den Deutschen verfolgt und kämpfen jeweils allein in der freien Natur um ihr Überleben. Zufällig erscheint es, dass sich die beiden in diesem Moment treffen und sich gleichzeitig zum letzten Mal sehen. Srulik, oder wie er sich jetzt Jurek nennt, muss, seitdem er vor den Nazis und den kopfgeldgierigen Polen flieht, während des Zweiten Weltkrieges um sein nacktes Überleben kämpfen. Mal ist er Teil einer Gruppe jüdischer Jungen, die sich im Wald verstecken und dort leben, mal hilft er auf einem Bauernhof aus, bis ihn jemand verrät und Jurek ein weiteres Mal abhauen muss. Der Junge kann fast Niemandem trauen, oft schlagen ihn die Bauern und lassen ihre Wut über die Soldaten, die sich ihrer Eigentümer bereichern, an Jurek heraus. So muss Jurek immer mehr lernen, alleine im Wald zu überleben: er lernt, auf Bäumen zu schlafen, isst rohes Fleisch und versteckt sich vor den Nazis, gierigen Polen und Förstern. Es ist verwunderlich, dass Jurek so lange überlebt - doch wird er wirklich dieses ewige Fliehen und die unerträgliche Angst vor dem Gefangen werden bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges durchhalten können?

 

„Lauf, Junge, Lauf“ von Uri Orlev erzählt die wahren Erlebnisse des Joram Friedman nach, der sich als kleiner Junge im zweiten Weltkrieg in Polen alleine durchschlagen muss. Dass er dies überlebt, ist äußerst bewundernswert und führt einem gleichzeitig vor Augen, wie der Mensch in solchen Notsituationen immer noch Überlebenswillen aufbringen kann, sei er noch so jung und unerfahren. Dass der Junge diese prägenden und schlimmen Erfahrungen erleiden muss, ist dem Nationalsozialismus zu schulden, der in dem Roman nie zu lehrbuchmäßig thematisiert wird. Viel eher lebt der Roman im Moment ohne größere historische Ausschweifungen, denn es werden Jureks aktuelle Gedanken und Handlungen beschrieben, was den Roman zusätzlich authentischer macht. Sollte man doch einmal über einen Begriff wie „Joint“ oder „Totenkopf“ stolpern, finden sich dessen Erklärungen am Ende des Buches.

Zudem ist der Roman in leicht verständlicher Sprache geschrieben, wodurch er auch für das Lesen zusammen mit jüngeren Kindern geeignet ist. Zusätzlich ist die aktuelle Ausgabe des Buches mit Filmbildern aus dem 2014 erschienenen gleichnamigen Film bestückt, der auf jeden Fall auf die Wunsch-DVD-Liste gesetzt wird.

 

Alles in allem empfehle ich „Lauf, Junge, Lauf“ interessierten Lesern aller Altersgruppen, denn dieser Roman wird auch den Älteren einen völlig neuen Einblick in das abenteuerliche Leben eines auf sich allein gestellten kleinen jüdischen Jungen während des Zweiten Weltkrieges gewähren. Ich vergebe 5 Sterne.

 

Miriam Thiel (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Deutsche Geschichte