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Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen von Tellegen, Toon, Kinderbücher, Vorlesen, Natur & Tierwelt

Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

Tellegen, Toon / Boutavant, Marc

Übersetzung: Pressler, Mirjam

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Hanser

Empfohlen ab: 6 Jahre

ISBN: 9783446246775

Inhalt

Jeder wird mal wütend, sogar die friedlichsten Kreaturen. Aber selten ist der Umgang mit dem Ärger leicht, auch nicht in den Geschichten von Eichhorn, Erdferkel & Co. Hier streiten die Tiere um die Meisterschaft im Wütendsein: Der Kippschliefer ist wütend auf die Sonne, weil sie jeden Abend untergeht. Der Elefant ist wütend auf sich selbst, weil er ständig vom Baum fällt. Und der Igel ärgert sich, weil er noch nie so richtig zornig war. Doch als die Wut eines schönen Sommertages verschwunden ist, suchen die Tiere schnell nach Gründen, sich wieder aufzuregen.

Bewertung

„Wut“ ist ein allseitig bekanntes Gefühl, jedoch wenig populär. Bereits im Titel des Buches „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ schwingt mit: es gibt so etwas wie ein Anrecht auf „wütend sein“.

Beispielhaft werden in kurzen Geschichten die niedlichsten, friedlichsten Bewohner des Waldes wie Maus, Ameise oder Igel vorgeführt, die sich tierisch aufregen und dafür eigenartige Gründe haben. Der Klippschliefer grollt über die Sonne, weil sie unverschämterweise jeden Abend untergeht und schäumt vor Wut, weil sich die Sonne um seine Meinung wenig schert. Das Nashorn und das Nilpferd zeigen auf, wie man hartnäckig und dickköpfig, aber trotzdem höflich und freundlich sich gegenseitig den Weg versperrt. Der Krebs verkauft verschiedene Sorten Wut in einem dunklen Koffer, in gekonnter Vertreterart demonstriert er einen Ärger, Zorn oder eine Raserei, doch alles verkauft sich gleich schlecht. Wiederum weiß die Ameise einzigartige Maßnahmen sich von einem Wutanfall freizumachen z. B. durch wegpusten, aufessen oder verstecken. Der Käfer dagegen beherrscht alle Tricks in heftige Erregung zu geraten und trainiert in diesen Methoden die Grille. Herrlich komisch ist der Elefant, der im Selbstgespräch sich ausschimpft und maßregelt und damit veranschaulicht, dass man auch auf sich selbst wütend sein kann.

Eines Tages ist die Wut verschwunden und die Tiere sind entsetzt, weil keiner mehr weiß, wie man statt wütend reagieren soll. Schnell wird den Tieren und dem Leser deutlich auch ein Wutanfall ist berechtigt und manchmal unvermeidbar.

 

Ingesamt sind es zwölf in sich abgeschlossene Geschichten, die sehr bildlich und poetisch, aber auch witzig und lebhaft erzählt, das abstrakte Gefühl aus vielen Perspektiven beleuchten. Bereits Kleinkinder entdecken die Wut, spielen mit ihr, testen sie aus und wissen oft keinen Ausweg aus einem Gefühlsausbruch. Erwachsene stehen oft hilflos daneben und verstehen ihre Kinder genauso wenig, wie man die Tiere im Wald versteht.

Die Geschichten über das Gefühlschaos der Waldbewohner laden Groß und Klein ein, über negative Gefühle zu sprechen, aber auch zu lachen. Eindrucksvoll sind die großzügigen und bunten Illustrationen, in denen der Wald in vielen botanischen Details gezeigt wird, die Tiere sind winzig und niedlich, wirken fast nebensächlich. In der Mitte des Buches bricht die Nacht ein und im Wald wird es still, zauberhaft wird dies durch vier einfarbige Seiten ohne Text veranschaulicht.

 

Wir vergeben 5 Sterne für Tiefgründigkeit mit Humor.

 

Grazyna Rojek und Simon (5) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Natur & Tierwelt