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Oma isst Zement! von Kratzke, Daniel, Bilderbücher, Zum Vorlesen, Krankheit

Oma isst Zement!

Kratzke, Daniel

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: ArsEdition

Empfohlen ab: 4 Jahre

ISBN: 9783760799940

Inhalt

Einmal hörte ich, wie Mama zu Papa sagte: "Deine Mutter isst Zement!" Mama meinte Oma!Als wir am Wochenende zu Oma ins Altenheim fuhren, fragte ich Papa: "Hat Oma vom Zement essen graue Haare bekommen?" "Nein", sagte Papa. „Oma isst nicht Zement“, erklärt Papa. „Sie ist dement.“ Das heißt, sie hat eine Krankheit im Kopf, und kann sich manche Dinge immer schlechter merken. „Weißt du noch?“, fragt sie manchmal und erzählt von früher. Daran kann sich Oma gut erinnern. Aber was es heute zum Mittagessen gab, hat sie schon wieder vergessen. „Das haben viele alte Leute“, sagt Papa. Trotzdem ist sie immer noch dieselbe, und die beste Oma, die ich kenne.

Bewertung

Es fühlt sich komisch an, dass Oma mich beim wöchentlichen Besuch im Altenheim auf einmal gar nicht mehr erkennt. Obwohl doch eigentlich alles so aussieht wie immer… Und dann ist Oma auf einmal auch wieder wie früher. Alles ist vertraut und wir haben zusammen Spaß.

 

„Oma ist Zement“ erzählt aus der Ich-Perspektive einer kleinen Enkelin, was es bedeuten kann, wenn die Großeltern dement werden. Schon das erste Missverständnis des Zementessens lässt es vermuten: Daniel Kratzke hat zwar ein ernstes und schwieriges Thema ausgewählt, doch mit fantastischem Fingerspitzengefühl gelingt es ihm, dem Bilderbuch doch liebevollen Humor und Geborgenheit einzuhauchen.

Daniel Kratzke sagt mit seinem knappen Text genau ausreichend viel, um die Verunsicherung der Enkelin darzustellen und die Liebe zwischen ihr und ihrer Großmutter spürbar werden zu lassen. Seine warmen Illustrationen verstärken dieses Gefühl der Geborgenheit. Gleichwohl zeigen sie auch eindrücklich, wie es ist, wenn Oma auf einmal müde wird und nur noch geradeaus vor sich hinstarrt.

Natürlich ist die Situation, in der sich Oma und Enkelin befinden, eine sehr ideale. Die Oma ist in einem schönen Altenheim untergebracht, in dem die Familie trotzdem für sich gemeinsam Kaffee trinken kann, als wäre man in einer eigenen Wohnung. Trotzdem ist es eine Stärke des Buches, dass es am Krankheitsbild der Demenz an sich nichts beschönigt. Auch so kann es erzählen: Klar gibt es schlimme Momente, aber am Ende bleibt Oma eben doch Oma. Und die ist die Beste auf der ganzen Welt! Mit wem sollte man sonst grimmige Passanten extra-freundlich grüßen? Oder so viel Limo trinken, dass man (aus Versehen!) rülpsen muss?

Für Eltern ist das Buch zudem mit einem Nachwort des Kuratoriums für Deutsche Altershilfe versehen, das darauf eingeht, wie Kindern das Thema Demenz erklärt werden kann. Wer „Oma isst Zement!“ in der Hand hat, dürfte da schon weniger Schwierigkeiten haben.

 

Fazit: Ein Themenbuch, das ganz ohne pädagogischen Zeigefinger auskommt und stattdessen eine Geschichte über das Liebhaben und familiären Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten erzählt. Empfehlenswert!

 

Saskia Geisler :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Krankheit