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Rabensommer von Steinkellner, Elisabeth, Jugendbücher, Aus dem Leben, Erwachsenwerden, Freundschaft

Rabensommer

Steinkellner, Elisabeth

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Beltz & Gelberg

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783407812001

Inhalt

Seit Jahren sind sie beste Freunde, fast alles haben sie zusammen gemacht - wie Raben. Jetzt, nach dem Abitur, muss jeder für sich entscheiden, wie es weitergeht. Die Ich-Erzählerin Juli entschließt sich zu studieren, doch noch bevor es losgeht, verändert sich alles, Schlag auf Schlag: Niels, mit dem sie seit einem Jahr zusammen ist, macht mit ihr Schluss. August lüftet sein Geheimnis. Und Ronja geht nach London. Juli ist auf sich allein gestellt und muss ihr Leben, das ihr wie ein Haufen lauter kleine Schnipsel vorkommt, neu sortieren

Bewertung

Jahrelang haben Juli, Niels, Ronja und August zusammen gelacht, gefeiert und Geheimnisse geteilt. Und jetzt sollen nach der Matura diese Erlebnisse auf einmal vorbei sein. Juli möchte in einer vier Stunden entfernten Stadt studieren, Niels muss die letzte Klasse wiederholen, Ronja geht als Au-Pair nach London und August möchte durch die Welt reisen. Juli, die seit einem Jahr mit Niels zusammen ist, versucht, die noch letzten flüchtigen, sommerlich heißen und wilden Tage mit ihren Freunden zu genießen. Doch bald überrollt sie das neue Leben mit ungeheurem Schwung. Die neue Wohnung in der unbekannten Stadt, noch keine richtigen Freunde und kein Plan, was sie nun studieren soll. Erwachsenwerden ist wie der eiskalte Pool, über dem man zögernd auf dem Sprungbrett kauert, doch irgendwann trotzdem den Sprung ins eiskalte Wasser wagen muss. So ergeht es auch Juli. Genießt sie zu Anfang noch ihre Freiheit und denkt, das mit ihrer Vergangenheit und ihrer Fernbeziehung mit Niels könnte klappen, holt sie doch irgendwann die eiskalte Realität ein. Doch irgendwann wird sie sich an das eiskalte Wasser gewöhnen, es wird sie erfrischen, es wird sich nicht mehr so kalt und unangenehm anfühlen wie am Anfang …

 

Jeder von uns musste oder wird den Sprung ins eiskalte Wasser wagen müssen. Deswegen ist „Rabensommer“ ein sentimental machendes, vielleicht auch lehrreiches Buch für all diejenigen, die diesen Sprung schon wagten oder kurz davorstehen. Als Älterer erkennt man sich darin wieder und sieht, wie viel Wahres an dieser Entwicklung zum Erwachsenwerden dran ist, man wird sich womöglich bei dem ein oder anderen zustimmenden Gedanken ertappen. Und der Jüngere wird den Roman als eine Vorfreude auf die neu gewonnene Freiheit sehen, und sich denken, dass das bei einem selbst schon nicht so einschneidend sein wird.

Ich habe mich beim Lesen des Buches sofort wohlgefühlt, denn „Rabensommer“ ist wie das erheiternde, ehrliche und ergreifende Gespräch mit einer neuen Freundin, mit der man sich sofort vertraut fühlt. Ich habe es trotz seiner 200 Seiten an einem Abend gelesen und es war eine wunderbare Bereicherung, mal aus Sicht einer wenn auch fiktiven Protagonistin ihren Start ins Erwachsenenleben zu erleben. Der Roman ist nicht in streng geschriebene Kapitel unterteilt, sondern beschreibt mal mit einem Satz eines von Julis Erlebnissen, mal finden sich normal geschriebene Kapitel, mal Einkaufszettel, in die sich das ein oder andere Geschehnis in Julis Leben hineininterpretieren lässt. Diese verschiedenen Erzählweisen machen den Roman um einiges lebendiger, und auch die authentisch beschriebenen (Schmerz-)Gefühle von Juli tragen zu der richtigen, mitfühlenden Stimmung mit Wiedererkennungs- oder Vorfreudewert bei.

 

Alles in allem ein überaus gelungenes Werk über den Sprung ins Erwachsenenleben, das seinen Hans-im-Glück-Preis durchaus verdient hat! Ich vergebe 5 Sterne.

 

Miriam Thiel (18) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Erwachsenwerden, Freundschaft