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Stell dir vor, dass ich dich liebe von Niven, Jennifer, Junge Literatur, Aus dem Leben, Anders sein , Erwachsenwerden, Liebe

Stell dir vor, dass ich dich liebe

Niven, Jennifer

Übersetzung: Illinger, Maren

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2017

Verlag: Fischer

Empfohlen ab: 15 Jahre

ISBN: 9783737355100

Inhalt

Jack ist der Coolste, der Schönste, von allen geliebt und begehrt. Doch er hat ein Geheimnis: Er ist gesichtsblind. Auf Partys fällt es ihm schwer, seine Freundin unter all den anderen Frauen zu erkennen. Für ihn sieht ein Gesicht wie das andere aus. Dass er schon mal einer vollkommen Fremden ein »Hey Baby« ins Ohr raunt, halten alle für Coolness. Doch Jacks ganzes Leben besteht aus Strategien und Lügen, um sein Problem zu vertuschen: Immer cool bleiben, auch wenn er mal die Falsche küsst. Jedes Fettnäpfchen eine Showbühne! Und dann kommt Libby, die in den Augen vieler so unperfekt ist, wie man nur sein kann. Denn Libby ist übergewichtig. Keine Strategie der Welt kann das vertuschen. Libby ist die Einzige, die erkennt, was hinter Jacks ewigem Lächeln steckt. Bei ihr kann Jack zum ersten Mal einfach er selbst sein. Aber hat einer wie Jack den Mut, zu einer wie Libby zu stehen?

Bewertung

Libby ist neu an der Martin-van-Buren-Highschool, und schon steht sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Kaum betritt sie das Schulgebäude, wird sie wegen ihres Gewichts angefeindet. Am schlimmsten kommt es jedoch, als einer der beliebtesten und gutaussehendsten Jungs der Schule, Jack, sich einen ziemlich blöden Scherz mit ihr erlaubt. Was Libby und Jacks Freunde nicht wissen, ist, dass auch Jack mit einer Krankheit zu kämpfen hat, denn er kann keine Gesichter erkennen - nicht mal die seiner eigenen Familie. Bald jedoch merkt Jack, dass Libby die Einzige ist, die er in einer Menge von unbekannten Gesichtern erkennen kann ...

 

„Stell dir vor, dass ich dich liebe“ ist ein einfühlsamer Roman über zwei Menschen, die sehr mit ihrem persönlichen Schicksal zu kämpfen haben. Libby hatte sich seit dem Tod ihrer Mutter im Haus verschanzt und versucht, ihre Trauer durch übermäßiges Essen zu unterdrücken. Jack versucht angestrengt, seine Gesichtsblindheit zu verdecken, indem er sich hinter einer „Supercooler-Typ-Fassade“ versteckt.

 

Das Buch erzählt abwechselnd in meist kurzen Kapiteln aus der Sicht von Libby und Jack. Libby und Jack sind zwei sehr sympathische Personen, mit denen der Leser sich sofort identifizieren kann. Vor allem gefällt mir, dass die beiden sich nicht in ihrer „Opferrolle“ bemitleiden, sondern mutig und schlagfertig den anderen gegenüberstehen. Sie können damit Jugendlichen, die selbst Zweifel an sich selbst hegen oder von ihren Mitschülern ungerecht behandelt werden, als Vorbilder dienen. Es schwingt darin jedoch auch eine Aufforderung an die Leser mit, Menschen nicht nach ihrem Äußeren oder bestimmten Krankheiten zu be- und verurteilen.

Was mir nicht sehr gefallen hat, waren der Erzählstrang und das abrupte Ende. [Achtung Spoiler] Nachdem Libby und Jack sich nähergekommen sind, gibt es wie in jedem einfach gehaltenen Roman den Moment, in dem alles zu kippen droht, das Paar am Ende aber doch glücklich vereint ist. Das hätte man ein wenig unvorhersehbarer gestalten können.

 

Alles in allem ähnelt das Buch dem erfolgreichen Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, kommt jedoch an dessen Tiefgang nicht heran. Trotzdem ist „Stell dir vor, dass ich dich liebe“ ein lesenswerter Jugendroman für Interessierte ab 14 Jahren, der vor allem unterhält, aber auch unterrichtet.

 

Miriam Thiel (20) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Anders sein , Erwachsenwerden, Liebe