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Wünsche sind für Versager von Nicholls, Sally, Jugendbücher, Aus dem Leben, Anders sein , Problemthemen

Wünsche sind für Versager

Nicholls, Sally

Übersetzung: Schäfer, Beate

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Hanser

Empfohlen ab: 13 Jahre

ISBN: 9783446250833

Inhalt

16 Familien und Heime, das ist die nüchterne Bilanz der erst elfjährigen Olivia. Olivia fasst schwer oder gar kein Vertrauen, zu oft ist sie enttäuscht worden. Emotionale Nähe versetzt sie in Panik, und zugleich sehnt sie sich unendlich nach Liebe, Freundschaft und Familie. Doch wer sollte sie schon mögen, wütend und unberechenbar, wie sie ist? So ist Olivia zunächst irritiert, wie gelassen die Iveys reagieren, zu denen sie gerade gekommen ist. Das Leben mit ihnen könnte so schön sein. Doch je stärker Olivias Bindung wird, desto größer wird ihre Angst, dieses endlich gefundene Zuhause wieder zu verlieren.

Bewertung

Seit sie fünf Jahre alt ist lebt Olivia in diversen Pflegefamilien und weigert sich auf aufgrund massiver Verlustängste, verursacht von der Misshandlung durch ihre Mutter und der Trennung von ihren Geschwistern, menschliche Nähe zuzulassen. Doch als sie zu ihrer 16. Pflegefamilie, den Iveys, kommt, gibt es für Olivia auf einmal die Hoffnung, aus ihrem Teufelskreis zu entkommen. Denn Jim und seine Kinder Daniel und Harriet versuchen nicht sie zu ändern, sondern akzeptieren ihre Eigenarten und Ertragen ihre Launen.

Zunächst verwirrt es Olivia, dass niemanden mehr ihre Ausraster und Streiche interessieren, mit denen sie bis jetzt jede Pflegefamilie in den Wahnsinn getrieben hat, aber langsam fasst sie Vertrauen und nähert sich ihren Mitmenschen an. Doch trotz therapeutischer Hilfe hat sie immer noch Ängste und irgendwas scheint im Haus der Iveys nicht mit rechten Dingen zu zugehen.

 

Erzählt wird die Geschichte aus Olivias Sicht, sodass man direkt mit ihren vorlauten und aggressiven Gedanken und Gefühle konfrontiert wird. Es gibt im Laufe der Erzählung immer wieder Rückblicke zu ihren ehemaligen Pflegefamilien, zu denen, welche versucht haben, ihr Geborgenheit zu vermitteln und ihr zu helfen, aber auch denen, die sie misshandelten. So erfährt der Leser was Olivia alles ertragen hat und was für ihre Verlustängste und Unnahbarkeit verantwortlich ist, aber auch von ihrem Wunsch nach Familie und Zuneigung.

Was mich an diesem Buch jedoch am meisten gestört hat, war eben Olivias verkorkste Einstellung. Natürlich ist es verständlich, dass sie nicht mit Absicht so agiert, sondern ihre für mich nicht nachvollziehbaren Empfindungen Produkt sind von dem, was sie alles Traumatisierendes durchmachen musste, aber irgendwann war es nur noch entmutigend, wenn Olivia wegen ihrer verworrenen Denkweise jemand, der ihr nur helfen möchte, wehtut.

Dennoch schildert die Autorin äußerst authentisch und mit viel Tiefgang die Geschichte eines zutiefst seelisch verletzen Kindes und seinen Hoffnungen und Träumen aber auch Ängsten. Das Ende des Buches ist offen, enthält jedoch einen kleinen Lichtblick.

 

Ein bewegendes und erschütterndes Buch, an dem ich aufgrund der komplizierten Protagonistin jedoch nicht immer Lesevergnügen hatte, weshalb ich knappe 4 Sterne vergebe und das Buch allen ab 13 Jahren, die gerne tiefgründige Geschichten lesen, empfehle.


Ellen Bartsch (14) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

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