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Weg mit Knut von Wung-Sung, Jesper, Jugendbücher, Aus dem Leben, Erwachsenwerden, Krankheit, Problemthemen

Weg mit Knut

Wung-Sung, Jesper

Übersetzung: Buchinger, Friederike

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2017

Verlag: Hanser

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783446254954

Inhalt

An Williams Leben ist gar nichts normal. Denn William hat Krebs. Und William hasst Knut. Knut wohnt unter Williams Bett und kommt nur hervor, wenn die beiden allein sind. Irgendwann kam er einfach durchs Fenster geklettert, kugelrund und mit perfektem Seitenscheitel. Inzwischen denkt Knut gar nicht mehr daran, wieder zu verschwinden. Aber William muss Knut loswerden, egal wie. Denn Knut ist nicht irgendwer. Er verkörpert Williams Krankheit und damit auch den Tod. Solange Knut bei ihm ist, kann William nicht gesund werden. Doch William wächst über sich selbst hinaus und befreit sich: von Knut und dem Krebs.

Bewertung

William hat einen Freund, einen Freund, den nur er selbst sehen kann, und der sich Knut nennt. Knut hat ein bisschen was von Karlsson vom Dach – rotzfrech und immer weg, wenn Ärger für die vollbrachten Missetaten ansteht. Doch Knut hat auch etwas von Herrn Lilienstengel, Karlssons Vorgänger in Astrid Lindgrens Werk. Denn William ist nicht ein ganz normaler Junge, so wie Lillebror bei Karlsson. William ist krank. Es dauert ein bisschen, bis wir das merken, bis ganz klar ausgesprochen wird: William hat Krebs. Und dieser Krebs begegnet ihm in Form von Knut. Knut, den er gleichzeitig liebt, weil er so besonders ist, und hasst, weil er ihm die Zukunft stiehlt.

William erlebt auch sonst ein Wechselbad der Gefühle. Er hat Angst vor dem Sterben, Angst vor dem Alleine-Sein, dann sehnt er sich wieder nach der Einsamkeit. Er hat Angst davor, seinen besten Freund Sebastian zu verlieren, dann ist er furchtbar wütend auf ihn, weil Sebastian ihn auch nicht wie einen normalen Jungen behandelt. Er ist genervt und froh zugleich, dass seine Eltern über ihn wachen. Er will kein ganz normaler Junge sein und gleichzeitig wäre er nichts lieber als das.

 

Jesper Wung-Sung erzählt sehr einfühlsam, mal leise, mal sehr laut und witzig, die Geschichte eines Jungen, der langsam zum Teenager wird. Er erzählt, wie William aus seiner Krankheit ausbricht, wilde nächtliche Ausflüge macht, immer begleitet von Knut und seinen hanebüchenen Geschichten. Und wie William irgendwann begreift, dass er sich entscheiden muss.

 

Krebs, Sterben, Tod – das sind alles keine leichten Themen für ein Jugendbuch. Jesper Wung-Sung gelingt es aber, immer wieder auch witzige Momente einzubauen, die gleichzeitig zumindest manchmal auch philosophisch werden. Wir merken, dass es völlig normal ist, manchmal abhauen zu wollen. Dass es normal ist, keine Worte zu finden im Angesicht einer so schweren Krankheit. Dass Beziehungen zerbrechen, aber auch wieder geheilt werden können. Dass Freundschaften auch große Belastungen überstehen können. Und das Normal-Sein immer auch heißt, ein bisschen verrückt zu sein. Und Jesper Wung-Sung gelingt es sogar, das Ende (das glückliche Ende, vielleicht ist das wichtig zu erwähnen) nicht zu kitschig werden zu lassen, sondern mit Melancholie zu würzen. Denn jeder Neuanfang ist auch ein Abschied, auch wenn William jetzt auf ein ganz normales Leben schauen kann.

Volle 5 Sterne für diese runde Geschichte, die allerdings eher anspruchsvoll konstruiert und zu lesen ist.

 

Saskia Geisler :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Erwachsenwerden, Krankheit, Problemthemen