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Wir sind unsichtbar von Stein, Maike, Jugendbücher, Aus dem Leben, Erwachsenwerden, Liebe

Wir sind unsichtbar

Stein, Maike

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Oetinger

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783841503091

Inhalt

Sie kribbelt wunderbar. Sie lässt den Himmel noch blauer aussehen. Sie gibt einem das Gefühl, Berge versetzen zu können – die erste Liebe! Und Valeska könnte ganze Gebirge verrücken! Nicht so Inken, ihre neue feste Freundin. Nicht mal einen kleinen Stein möchte sie ins Rollen bringen, denn niemand soll wissen, dass Inken lesbisch ist. Ihre Liebe soll unsichtbar bleiben. Um Inken zuliebe die Beziehung geheim zu halten, verstrickt sich Valeska immer mehr in Lügen, bis sie eine Entscheidung treffen muss: für oder gegen Inken.

Bewertung

Bereits vor zwei Jahren hatte die inzwischen sechzehnjährige Valeska ihr Coming Out; zwar hat ihre Mutter immer noch Schwierigkeiten, sich mit der Homosexualität ihrer ältesten Tochter zu arrangieren, und Valeska lebt mittlerweile bei ihrem Vater – davon abgesehen jedoch hat ihr gesamtes Umfeld die Tatsache, dass sie Mädchen liebt, gut aufgenommen. In einem Blog verarbeitet Valeska ihre Erlebnisse rund um das Coming Out und ihre bisherigen Liebeserfahrungen – die leider spärlich sind, da sie etwa noch nie auch nur ein anderes Mädchen geküsst hat.

Dass sich dann ausgerechnet ein Kuss beim Flaschendrehen auf einer Party zu etwas Ernsterem entwickelt, hätten weder Valeska noch ihre Kusspartnerin Inken erwartet, doch beide lässt der intime Moment nicht mehr los. Sie beginnen, sich ineinander zu verlieben, doch ihre Treffen müssen heimlich stattfinden – darum bittet Inken, die in ihrer Familie offenbar weitaus weniger Verständnis für ihre sexuelle Neigung erwartet als Valeska. Doch dass Inken geradezu panische Angst davor hat, sich zu outen, ohne dass sie ihrer ersten festen Freundin den Grund dafür verrät, ist auch für Valeska belastend. Und insgeheim beginnt sie sich trotz aller Gefühle für Inken zu fragen, ob eine heimliche Liebe, die sie zudem gegenüber ihren anderen Freunden und ihrer Familie zum Lügen zwingt, eine Zukunft haben kann ...

 

Ein authentischer, zugänglicher Roman über ein aktuell literarisch populäres, aber noch immer unterrepräsentiertes Thema, das entgegen aller Bemühungen doch noch erschreckend verbreitet als Tabu angesehen wird: Homosexualität. Die Ich-Erzählung aus Valeskas Perspektive wird durch ihre Blogeinträge sowie zunächst anonyme, kursiv gesetzte Einschübe ergänzt, die dem Leser auch Zugang zu Inkens Gefühlswelt und den Angstzuständen und physischen wie psychischen Demütigungen, die sie geheim halten will, ermöglicht. So zeichnet der Roman ein vielschichtiges, zumeist realistisch erscheinendes Bild des Schicksals der beiden Protagonistinnen, die durch ihr großes Sympathiepotential den Leser auch emotional schnell in die Geschichte hineinziehen. Einzig das überstürzt wirkende Ende steht in ein wenig enttäuschendem Kontrast zum Tiefgang der übrigen Erzählung.

 

Fabienne Pfeiffer :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Erwachsenwerden, Liebe